Franchise bei der Krankenkasse – die richtige Stufe wählen
Die Franchise ist einer der grössten Hebel, um Ihre Krankenkassenprämien zu beeinflussen. Je höher die Franchise, desto tiefer die monatliche Prämie – doch im Krankheitsfall tragen Sie einen grösseren Teil der Kosten selbst. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, die optimale Franchise für Ihre persönliche Situation zu bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Franchise?
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Kalenderjahr selbst bezahlen müssen, bevor die Krankenkasse Leistungen übernimmt. Sie wählen die Franchise-Stufe einmal jährlich bei Abschluss oder Erneuerung Ihrer Police. In der obligatorischen Grundversicherung (OKP) stehen sechs Stufen zur Wahl.
Das Prinzip ist einfach: Je höher die Franchise, desto tiefer die monatliche Prämie. Die Kasse übernimmt erst Kosten, wenn Ihre medizinischen Ausgaben die Franchise übersteigen. Danach zahlen Sie zusätzlich den sogenannten Selbstbehalt von 10 % der verbleibenden Kosten, maximal CHF 700 pro Jahr für Erwachsene.
Alle Franchise-Stufen im Vergleich
Für Erwachsene ab 26 Jahren gelten folgende Franchise-Stufen:
| Franchise | Selbstbehalt (max.) | Max. Eigenkosten | Typische Prämienersparnis vs. CHF 300 |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 700 | CHF 1'000 | Referenz (höchste Prämie) |
| CHF 500 | CHF 700 | CHF 1'200 | ca. CHF 200–400 / Jahr |
| CHF 1'000 | CHF 700 | CHF 1'700 | ca. CHF 600–900 / Jahr |
| CHF 1'500 | CHF 700 | CHF 2'200 | ca. CHF 900–1'300 / Jahr |
| CHF 2'000 | CHF 700 | CHF 2'700 | ca. CHF 1'200–1'600 / Jahr |
| CHF 2'500 | CHF 700 | CHF 3'200 | ca. CHF 1'400–1'800 / Jahr |
Für Kinder (0–18 Jahre) gibt es tiefere Franchise-Stufen: CHF 0, CHF 100, CHF 200, CHF 300, CHF 400, CHF 500 und CHF 600. Der maximale Selbstbehalt bei Kindern beträgt CHF 350 pro Jahr.
Franchise und Selbstbehalt – der Unterschied
Viele Versicherte verwechseln Franchise und Selbstbehalt. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Kostenbeteiligungen:
- Franchise: Der jährliche Sockelbetrag, den Sie vollständig selbst tragen. Erst wenn Ihre Gesundheitskosten diesen Betrag übersteigen, beteiligt sich die Kasse.
- Selbstbehalt: Nach Erreichen der Franchise übernehmen Sie 10 % der weiteren Kosten, bis maximal CHF 700 pro Jahr (Erwachsene) bzw. CHF 350 (Kinder).
Rechenbeispiel: Bei einer Franchise von CHF 2'500 und Gesundheitskosten von CHF 5'000 zahlen Sie: CHF 2'500 (Franchise) + 10 % von CHF 2'500 = CHF 250 (Selbstbehalt) = CHF 2'750 Eigenkosten. Die Kasse übernimmt CHF 2'250.
Drei Szenarien im Vergleich
Szenario A: Laura (28) – selten krank
Laura ist gesund, geht höchstens einmal pro Jahr zum Arzt für eine Routinekontrolle. Ihre jährlichen Gesundheitskosten betragen rund CHF 400.
| Franchise | Prämie / Jahr | Eigenkosten | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 5'400 | CHF 400 | CHF 5'800 |
| CHF 2'500 | CHF 3'600 | CHF 400 | CHF 4'000 |
Ergebnis: Laura spart mit der höchsten Franchise CHF 1'800 pro Jahr. Die hohe Franchise ist für sie optimal, da ihre Gesundheitskosten deutlich unter CHF 2'500 liegen.
Szenario B: Thomas (45) – regelmässiger Arztbesucher
Thomas hat eine chronische Erkrankung und benötigt regelmässige Kontrollen sowie Medikamente. Seine jährlichen Gesundheitskosten betragen rund CHF 6'000.
| Franchise | Prämie / Jahr | Eigenkosten | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 5'400 | CHF 1'000 | CHF 6'400 |
| CHF 2'500 | CHF 3'600 | CHF 3'200 | CHF 6'800 |
Ergebnis: Thomas fährt mit der tiefsten Franchise von CHF 300 CHF 400 günstiger. Bei hohen Gesundheitskosten übersteigen die Eigenkosten der hohen Franchise die Prämienersparnis.
Szenario C: Familie Müller – zwei Erwachsene, ein Kind
Herr und Frau Müller sind beide gesund (je ca. CHF 800 Gesundheitskosten), das Kind benötigt gelegentlich ärztliche Behandlung (ca. CHF 1'200).
| Konstellation | Prämien / Jahr | Eigenkosten | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| Alle CHF 300 / CHF 0 Kind | CHF 12'600 | CHF 2'800 | CHF 15'400 |
| Erwachsene CHF 2'500, Kind CHF 0 | CHF 9'000 | CHF 2'800 | CHF 11'800 |
Ergebnis: Die Familie spart mit der hohen Franchise für die Erwachsenen CHF 3'600 pro Jahr. Da beide Elternteile selten zum Arzt gehen, lohnt sich die höchste Franchise.
So treffen Sie die richtige Entscheidung
Die Faustregel für die Franchisewahl lautet:
- Gesundheitskosten unter CHF 1'500/Jahr: Höchste Franchise (CHF 2'500) wählen – die Prämienersparnis überwiegt deutlich.
- Gesundheitskosten CHF 1'500–3'500/Jahr: Mittlere Franchise (CHF 1'000–1'500) prüfen – berechnen Sie individuell.
- Gesundheitskosten über CHF 3'500/Jahr: Tiefste Franchise (CHF 300) wählen – die tiefen Eigenkosten überwiegen die höhere Prämie.
Bedenken Sie ausserdem: Bei der höchsten Franchise sollten Sie idealerweise CHF 2'500 als Notreserve zur Seite legen können. So sind Sie auf unerwartete Gesundheitskosten vorbereitet, ohne in finanzielle Engpässe zu geraten.
Ein jährlicher Check lohnt sich. Verändert sich Ihr Gesundheitszustand – etwa durch eine geplante Operation, Schwangerschaft oder eine neue Diagnose – sollten Sie die Franchise entsprechend anpassen. Die Änderung ist jeweils per 1. Januar möglich.