Krankenkasse im Alter – Spartipps für Personen ab 50
Inhaltsverzeichnis
Warum die Prämien mit dem Alter steigen
Im schweizerischen Krankenversicherungssystem kennt die Grundversicherung keine altersabhängigen Prämien im engeren Sinne: Alle Erwachsenen ab 26 Jahren zahlen in der gleichen Prämienregion und beim gleichen Versicherer den gleichen Tarif. Weshalb steigen die Prämien dann trotzdem im Alter? Die Antwort liegt nicht beim einzelnen Vertrag, sondern bei der allgemeinen Kostenentwicklung.
Die Gesundheitskosten nehmen mit zunehmendem Alter deutlich zu. Personen über 60 verursachen im Durchschnitt drei- bis viermal so hohe Kosten wie 30-Jährige. Da alle Erwachsenen die gleiche Prämie zahlen, finanziert das System eine Umverteilung von Jung zu Alt. Wenn die Gesamtkosten steigen, steigen die Prämien für alle – aber ältere Versicherte spüren die Belastung stärker, weil ihre übrigen Einnahmen oft sinken (Pensionierung).
Zusatzversicherung: Hier spielt das Alter eine Rolle
Anders als bei der Grundversicherung dürfen Zusatzversicherer die Prämien nach Alter und Geschlecht abstufen. Das bedeutet: Eine Spitalzusatzversicherung, die mit 40 Jahren noch CHF 80 pro Monat kostet, kann mit 65 leicht auf CHF 250 oder mehr steigen. Dies ist ein wichtiger Punkt bei der Planung der Krankenversicherung im Alter.
Die richtige Franchise ab 50
Die Wahl der optimalen Franchise ist ab 50 besonders wichtig, da regelmässige Arztbesuche und Medikamente häufiger werden. Die Faustregel lautet: Wer jährlich mehr als CHF 1'500 an Gesundheitskosten hat, fährt mit der tiefsten Franchise (CHF 300) am günstigsten.
| Gesundheitskosten/Jahr | Franchise CHF 300 (Gesamtkosten) | Franchise CHF 2'500 (Gesamtkosten) | Günstigere Variante |
|---|---|---|---|
| CHF 0 | CHF 5'496 | CHF 3'864 | CHF 2'500 |
| CHF 500 | CHF 5'716 | CHF 4'364 | CHF 2'500 |
| CHF 1'500 | CHF 5'916 | CHF 5'264 | CHF 2'500 |
| CHF 2'500 | CHF 6'016 | CHF 6'164 | CHF 300 |
| CHF 5'000 | CHF 6'196 | CHF 6'414 | CHF 300 |
| CHF 10'000 | CHF 6'196 | CHF 6'414 | CHF 300 |
Aus der Tabelle wird ersichtlich: Sobald die jährlichen Gesundheitskosten die Marke von rund CHF 2'000–2'500 überschreiten, ist die tiefe Franchise wirtschaftlicher. Viele Personen ab 50 erreichen diesen Betrag durch regelmässige Medikamente, Kontrolluntersuchungen und gelegentliche Therapien.
Franchise jährlich überprüfen
Die Franchise können Sie jedes Jahr per 1. Januar anpassen. Überprüfen Sie Ende September, wenn die neuen Prämien bekannt sind, ob Ihre aktuelle Franchise noch zu Ihrem Gesundheitszustand passt. Ein Wechsel der Franchise allein erfordert keine Kündigung – Sie können dies bei der gleichen Kasse anpassen.
Zusatzversicherung im Alter
Die Zusatzversicherung verdient ab 50 besondere Aufmerksamkeit. Ein Wechsel der Zusatzversicherung wird mit zunehmendem Alter schwieriger, weil Kassen eine Gesundheitsprüfung verlangen und bei Vorerkrankungen Vorbehalte anbringen oder den Antrag ganz ablehnen können.
Bestehende Zusatzversicherungen behalten
Haben Sie eine Spitalzusatzversicherung (halbprivat oder privat), die Sie vor Jahren zu günstigen Konditionen abgeschlossen haben, überlegen Sie sich gut, bevor Sie diese kündigen. Ein Neuabschluss im Alter ist in der Regel teurer oder wegen Vorerkrankungen gar nicht mehr möglich. Die Grundversicherung können Sie hingegen jederzeit problemlos wechseln.
Welche Zusatzversicherungen lohnen sich ab 50?
Besonders sinnvoll ab 50 sind: Spital-Zusatzversicherung (freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz), Deckung für Alternativmedizin und Physiotherapie, Auslandreise-Versicherung (falls Sie häufig reisen) und eine Pflegeversicherung. Letztere deckt einen Teil der Kosten, die bei einem Aufenthalt im Pflegeheim oder bei Spitex-Leistungen anfallen, die über die Grundversicherung hinausgehen.
Spitex- und Pflegekosten absichern
Ein Thema, das viele Versicherte verdrängen, aber frühzeitig planen sollten: Die Pflegekosten im Alter. Die Grundversicherung deckt zwar Spitex-Leistungen und Pflegeheimaufenthalte teilweise, aber bei weitem nicht vollständig. Die Restkosten – sogenannte Hotellerie- und Betreuungskosten im Heim – tragen die Bewohner selbst, sofern die Ergänzungsleistungen nicht einspringen.
Was die Grundversicherung bezahlt
Die OKP übernimmt bei Spitex und Pflegeheim einen fixen Beitrag pro Tag, abhängig vom Pflegebedarf. Dieser Beitrag liegt zwischen rund CHF 9 und CHF 108 pro Tag. Die tatsächlichen Kosten eines Pflegeheimplatzes belaufen sich jedoch auf CHF 200 bis CHF 400 pro Tag. Die Differenz muss aus eigener Tasche, über Ergänzungsleistungen oder über eine Pflegezusatzversicherung finanziert werden.
Pflegezusatzversicherung
Einige Versicherer bieten spezielle Pflegeversicherungen an, die bei Pflegebedürftigkeit ein Taggeld oder eine Einmalzahlung leisten. Der Abschluss ist idealerweise vor dem 60. Lebensjahr sinnvoll, solange die Prämien tief und die Aufnahme ohne Vorbehalte möglich ist. Später wird der Abschluss teurer und ist bei bestehenden Einschränkungen oft ausgeschlossen.
Praxis-Tipp: Trennen Sie Grundversicherung und Zusatzversicherung konsequent. Wechseln Sie die Grundversicherung jährlich zum günstigsten Anbieter – das ist bei allen Kassen risikolos und ohne Aufnahmeprüfung möglich. Die Zusatzversicherung behalten Sie hingegen, solange sie gute Konditionen bietet. So optimieren Sie die Kosten, ohne wertvolle Zusatzdeckungen zu verlieren.
Konkrete Spartipps für Seniorinnen und Senioren
Tipp 1: Jedes Jahr vergleichen und wechseln
Der jährliche Prämienvergleich ist der wichtigste Spartipp überhaupt. Die Rangfolge der günstigsten Kassen ändert sich jedes Jahr. Wer seit zehn Jahren bei der gleichen Kasse versichert ist, zahlt unter Umständen Hunderte von Franken zu viel. In der Grundversicherung gibt es keine Treuerabatte – Loyalität wird nicht belohnt.
Tipp 2: Alternatives Versicherungsmodell wählen
Auch für Personen ab 50 lohnen sich alternative Modelle. Das Hausarztmodell eignet sich besonders gut: Wer ohnehin einen festen Hausarzt hat, erfüllt die Bedingungen bereits und spart 15–20 % Prämie. Informieren Sie sich über die verschiedenen Versicherungsmodelle und deren Vor- und Nachteile.
Tipp 3: Unfalldeckung nach der Pensionierung einschliessen
Nach der Pensionierung entfällt die Unfallversicherung über den Arbeitgeber. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie die Unfalldeckung in der Grundversicherung zwingend wieder einschliessen. Vergessen Sie diese Anpassung nicht – sonst sind Sie im Unfallfall nicht gedeckt.
Tipp 4: Prämienverbilligung prüfen
Auch Rentnerinnen und Rentner mit bescheidenem Einkommen haben Anspruch auf Prämienverbilligung. Besonders nach der Pensionierung, wenn das Einkommen sinkt, lohnt sich der Antrag. In vielen Kantonen liegt die Einkommensgrenze höher, als man vermuten würde.
Tipp 5: Generika statt Originalpräparate
Bei Medikamenten sparen Sie, indem Sie Ihren Arzt nach Generika fragen. Generika enthalten den gleichen Wirkstoff wie das Original, kosten aber 30–60 % weniger. Da Sie bei der Franchise und beim Selbstbehalt an den Medikamentenkosten beteiligt sind, senken Generika Ihre Eigenkosten direkt.
Häufig gestellte Fragen
Kann mich eine Krankenkasse wegen meines Alters ablehnen?
Nein, nicht bei der Grundversicherung. Jede zugelassene Kasse muss Sie aufnehmen, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Bei Zusatzversicherungen hingegen ist eine Ablehnung oder ein Vorbehalt möglich.
Soll ich meine Zusatzversicherung kündigen, wenn die Prämien stark steigen?
Überlegen Sie sich das gut. Ein Neuabschluss im Alter ist oft teurer oder unmöglich. Prüfen Sie, ob Sie den Deckungsumfang reduzieren können (z. B. von privat auf halbprivat), statt ganz zu kündigen. So senken Sie die Prämie, behalten aber eine wertvolle Versicherung.
Muss ich nach der Pensionierung die Unfalldeckung in der Krankenkasse einschliessen?
Ja. Sobald Sie nicht mehr über einen Arbeitgeber unfallversichert sind (spätestens 31 Tage nach Austritt), müssen Sie den Unfalleinschluss in Ihrer Grundversicherung aktivieren. Informieren Sie Ihre Kasse rechtzeitig, damit keine Deckungslücke entsteht.
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